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Stifterverband

  
Stifterverband beim Wissenschaftssommer 2007 in Essen :
"PUSH in den Geisteswissenschaften" - Podiumsdiskussion zur
Rolle der Geisteswissenschaften in den Medien

Welche Erfahrungen machen Journalisten, wenn sie mit Geisteswissenschaftlern zu tun haben? Wie offen sind die Medien gegenüber Themen aus den Geisteswissenschaften? Und wie beurteilen Forscher die Zusammenarbeit mit Reportern und Redaktionen? Das waren Themen eines Workshops, den der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft am 12. Juni 2007 in Essen veranstaltet hat. Die Journalisten Diane Scherzler und Gregor Delvaux de Fenffe waren dort zu Gast.

Wer geglaubt haben sollte, dass der Anruf eines Journalisten einen Wissenschaftler stets beglückt, wurde bei der Veranstaltung eines Besseren belehrt: „Wissenschaftskommunikation hat in unserem Bereich noch immer ein kleines ‚Gschmäckle’“, sagte der Kirchengeschichtler Prof. Hubert Wolf. Wer in den Medien ist, erfährt in Forscherkreisen dafür nach wie vor selten Anerkennung, stattdessen oft Häme und Argwohn. Komplexe Forschungsergebnisse für Fernsehen, Hörfunk oder Presse auf den Punkt zu bringen, erfüllt viele Wissenschaftler außerdem schlichtweg mit Angst: „Bevor ich den fertigen Beitrag im Fernsehen anschaue, graut mir schon vor den Fehlern, die der Journalist gemacht hat“, gestand eine Wissenschaftlerin. „Diese Fehler beschädigen meinen wissenschaftlichen Ruf.“

Elfenbeinturm oder Dialog?
Also doch lieber zurück in den akademischen Elfenbeinturm? Dass es kreative Wege gibt, der Öffentlichkeit Wissenschaft zu vermitteln, hat sich der Stifterverband aufs Programm geschrieben. Mit Diane Scherzler und Gregor Delvaux de Fenffe hat die Organisation nun zwei Journalisten zu dem Workshop „PUSH in den Geisteswissenschaften“ gebeten. Ziel: Die beiden Experten für Wissenschaftskommunikation sollten ins Gespräch mit den Geisteswissenschaftlern kommen, die Arbeit in Redaktionen erläutern und die Anforderungen klar machen, die Medienleute an einen Interviewpartner stellen müssen.

Spannend, aber nicht übertrieben
Ein Thema gegenüber Journalisten spannend darzustellen, sich aber gleichzeitig nicht mit reißerischen Übertreibungen anzudienen, empfahl den ca. 100 Vertretern aus Hochschulen und Forschung Diane Scherzler, SWR-Online-Redakteurin in Stuttgart. Seit mehr als zehn Jahren befasst sie sich mit der Thematik "Wissenschaft, Massenmedien und Öffentlichkeit", schreibt dazu Fachartikel und gibt regelmäßig Medientrainings für Forscher. „Manche Wissenschaftler haben eine völlig falsche Vorstellung davon, was die Aufgaben von Massenmedien sind. Aber anstatt sich mit der Realität auseinanderzusetzen, beharren sie auf ihren Wunschvorstellungen, wie Journalisten Geisteswissenschaft kommunizieren sollten. Kein Wunder, dass sie scheitern!“, sagte sie.

Die Kunst des Herunterbrechens
Dass sein Studiogast für eine „planet wissen“-Sendung weitaus mehr beherrschen muss als das jeweilige Fachgebiet, machte Gregor Delvaux de Fenffe dem Publikum klar: „Die Geisteswissenschaften müssen weitere Anstrengungen unternehmen, ihre Rezipienten zu erkennen und auf ihrem entsprechenden Wissensstand abzuholen.“

Vielen Wissenschaftlern fehlt schlicht das Handwerkszeug im Umgang mit den Medien. Für die Pressemeldung – sofern es sie überhaupt gibt - wird nach wie vor regelmäßig die jüngste Fachpublikation zusammengekürzt. Viele Forscher betrachten Journalisten als Übersetzer ihrer Fachinhalte für ein breites Publikum, letztlich als Dienstleister. Die Kompetenz, kritisch über Forschung zu berichten, sprechen sie den Medien meist ab. Eine grundlegende Unkenntnis der Medienwelt schürt die Bedenken und Vorurteile von Forschern.

Umdenken zeichnet sich ab
Zehn Prozent der Fördergelder müssen für Wissenschaftskommunikation ausgegeben werden, verlangt mittlerweile die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Mit seinem Programm „Public Understanding of Science and Humanities (PUSH)“ fordert der Stifterverband u. a. dazu auf, die Kommunikation mit Medien und Öffentlichkeit fest in die Karrieren von Wissenschaftlern zu verankern. Im Lauf der nächsten Jahre soll sich also einiges verändern, und der Elfenbeinturm wird hoffentlich bald weniger dicht bevölkert sein als heute.

Die Geisteswissenschaftler, die zu dem Workshop nach Essen gekommen waren, sind trotz mancher Skepsis davon überzeugt, dass die Kommunikation mit Öffentlichkeit und Medien unverzichtbar ist. Der Leiter der Basler Skulpturhalle, Dr. Tomas Lochman, sagte: „Man entwickelt so Antworten auf Fragen, die wir im Elfenbeinturm der Forschung nie stellen würden.“ Hubert Wolf ist überzeugt: „Wir müssen vermitteln, was wir machen und was das soll. Es muss deutlich werden, dass das auch mittelfristig einen Nutzen hat.“ Der direkte Kontakt mit den beiden Journalisten trägt dazu bei, das schlechte Image der Medien unter Geisteswissenschaftlern abzubauen.

                                                                                                                                            -ds