Die „Internationalen Filmfestspiele“ in Cannes sind weltweit der
bedeutendste und berühmteste Wettbewerb des Internationalen Films und
für Filmschaffende aller Couleur eine feste Institution. Die berühmte
„Goldenen Palme“ (Palme d’Or), mit dem der beste Film des Wettbewerbs
prämiert wird, ist nur eine von vielen bedeutenden Trophäen, die in
Cannes im Zuge des alljährlich abgehaltenen Festivals vergeben werden.
Die Festspiele locken als wichtiger Pflichttermin der Branche unzählige
im Filmgeschäft Tätige an die Côte d’Azur und sind daher für die Region
längst ein zentraler Wirtschaftsfaktor.
Nach Cannes kommt man nicht nur um zu sehen, sondern auch um gesehen zu
werden. Berühmt ist Cannes für seinen Glamour, seinen mediterranen
Flair, hier empfängt, liebt und feiert man die Prominenz aus Show und
Film. Wohn- und Übernachtungsmöglichkeiten sind bereits auf Monate, oft
Jahre hin zu horrenden Preisen ausgebucht und begehrt sind die streng
kontrolliert ausgegebenen Tickets für die großen Premieren, so genannte
Einladungen, ohne die der Normalsterbliche den legendären Roten Teppich
auf den weltberühmten Stufen zum „Palais des Festivals“ nicht betreten
darf.
Neben dem eigentlichen Festival, dem Hauptwettbewerb („section
officielle“) gibt es noch eine Reihe wichtiger Nebenschauplätze, die im
selben Zeitraum Filmschaffende aller couleur nach Cannes zieht und
Journalisten und Kritiker beschäftigt. Etwa die Sektion „Un Certain
Regard“, die seit 11 Jahren den wichtigen Preis „Prix Un Certain Regard“
vergibt. Daneben unterhält die „Société des Réalisateurs de Films“
(Vereinigung der Regisseure) die Sektion „La Quinzaine des Réalisateurs“.
Und die im „Syndicat français de la critique de cinéma“ organisierten
französischen Filmkritiker haben mit ihrer Sektion „La Semaine
Internationale de la Critique“ ein Forum für junge Filmgrößen
geschaffen, die mit ihren Erstlingswerken hier entdeckt werden können –
gelungen ist das dem inzwischen weltberühmten Francois Ozon (8 Frauen ;
Swimmingpool), der in der „Semaine“ sein Filmdébut feierte.
La (toute) Jeune Critique
Für die Schülerinnen des Ottheinrich-Gymnasiums Wiesloch Merve Gökalp,
Esra Kacan, Vitalia Yapparova und Julia Balla und ihren
Französischlehrer Gregor Delvaux de Fenffe erfüllte sich ein Traum, als
sie im April 2009 benachrichtigt wurden, dass sie zu den Gewinnern des
diesjährigen Wettbewerbs der Jungen Kritiker gehörten.
Das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) lud auch in diesem Jahr in
Zusammenarbeit mit dem internationalen frankophonen Fernsehsender
TV5MONDE filmbegeisterte Schülerinnen und Schüler aus Deutschland und
Frankreich zur 48. Internationalen Woche der Filmkritik nach Cannes ein.
Auf der Sektion “Semaine de la Critique Cannes”, die vom 14. bis 22. Mai
2009 zeitgleich mit den weltbekannten Filmfestspielen stattfand,
präsentierten junge Filmemacher ihre Erstlingswerke und
Zweitproduktionen in Kurz- und Spielfilmlänge. Zusammen mit 3 anderen
deutschen und 4 französischen Teams konnten die Wieslocherinnen eine
Woche lang in die Rolle eines Filmkritikers schlüpfen.
Morgens besuchten sie die Filmvorführungen der Sektion, trafen
anschließend mit Regisseuren und Schauspielern zusammen, diskutierten
über die gezeigten Filme und schrieben danach gemeinsam deutsche und
französische Filmkritiken, die auf den Seiten der (Ganz) Jungen Kritik
anschließend veröffentlicht wurden. Am Ende des Festivals vergab eine
Jury aus dem Kreis der Teilnehmer den „Preis der (ganz) jungen Kritik“
an den besten Spielfilm. Prämiert wurde die irakisch-kurdische
Produktion “Sirta la Gal ba” - Whisper with the Wind unter der Regie von
Shahram Alidi. Merve Gökalp vom Ottheinrich-Gymnasium Wiesloch und Alix
Weidner (Lycée Paul Valéry de Sète) überreichten den Preis der
Jungkritiker feierlich auf der offiziellen „Remise des Prix“, der großen
Abschlussveranstaltung der 42. Semaine de la Critique Cannes 2009. Aber
auch die besten Jungkritiker wurden geehrt, das DFJW und TV5MONDE
zeichneten die Autoren der überzeugendsten Filmkritiken in deutscher und
französischer Sprache aus.
Neben dem offiziellen Teil schlug allabendlich der Rote Teppich des
weltgrößten Filmfestivals mit seiner glamourösen Inszenierung von
Filmpremieren, Stars und Sternchen nicht nur die Wieslocher Schüler in
seinen Bann. “Tenter les marches” - Der Versuch auf die Stufen zu kommen
- es war das Gebot der Stunde. Eine einmalige Chance, die sich den
Schülerinnen und Schüler bot, mitten ins Herz des französischen und
internationalen Films vorzustoßen.
10 Tage Cannes bedeutete für das Team Wiesloch anstrengende Tage voller
Eindrücke und wenig Schlaf. Es waren Tage intensivster Schulung. Es galt
Kritiken anspruchsvoller Filme unter hohem Zeitdruck zu verfassen. Die
französische Sprache war allgegenwärtig, Filme, Debatten und
Abschlussdiskussionen in französischer Sprache bedeuteten eine große
Herausforderung, der sich die Wieslocherinnen mit großer Begeisterung
stellten. Darüber hinaus kamen die Schülerinnen immer wieder mit Presse
und Medienvertretern in Berührung, für uns alle eine sehr interessante
Erfahrung. Schließlich nahmen die 16 bis 17-jäjhrigen Schülerinnen mit
einem beinahe live geführten Blog die Berichterstattung direkt von den
Orten des Geschehens aus selbst in die Hand.
Wir danken herzlich allen Verantwortlichen und Beteiligten, die Cannes
für uns möglich gemacht, die uns unterstützt, begleitet und unseren Blog
gelesen haben.
Grand merci an das Deutsch-Französische Jugendwerk, an die Semaine de la
Critique Cannes und an TV5MONDE für die Einladung nach Cannes,
Akkreditierung, gute Unterbringung und großzügige Verköstigung.
Wir danken den Leitern des Workshops der (Ganz) Jungen Kritik,
namentlich Frédéric Jaeger, der unsere Kritiken auch auf seinem Portal
www.Critic.de veröffentlicht, sowie Frau Julia Lowy und Herrn Henri
Lajous für die gute Betreuung.
Danke an diejenigen Medien, die über unser Projekt berichtet haben.
Insbesondere herzlichen Dank an den Südwestrundfunk, namentlich an
Bettina Fächer der Redaktion SWR.de, die an uns geglaubt und uns Tag und
Nacht beim bloggen begleitet hat. Herzlichen Dank auch an Gertraude
Zielbauer von der Rhein-Neckar-Zeitung, die sich immer wieder für uns
stark gemacht hat.
Danke an die Schulleitung des Ottheinrich-Gymnasium Wiesloch, die unsere
Kandidatur wohlwollend unterstützte.