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Artus und seine Welt
Überlegungen zum Verlust der Mitte in der romanischen
Artusliteratur
Unberechtigterweise wurde der genuinen Komplexität der Artusfigur der
romanischen Artusliteratur bisher nur wenig Beachtung geschenkt. Der
hybride König Artus, Namensgeber einer eigenen literarischen Gattung,
erscheint phänomenologisch nach wie vor dunkel, in seiner Kohärenz
fraglich und nur schwer fassbar.
In einer Annäherung an die diffizile Präsenz des Protagonisten der
Artusromane soll in der vorliegenden Arbeit eine Ortsbestimmung des
historischen und pseudo-historischen Artus versucht und im Anschluß
daran seine literarische und literarästhetische Genese beschrieben
werden.
Dabei richtet sich der Fokus auf acht zentrale Werke der romanischen
Artusliteratur, die die Gestalt Artus’ dezidiert perspektivieren: Die
Historia Regum Britanniae des Geoffrey of Monmouth, den Roman de Brut
des Mestre Wace, die höfischen Romane Chrétien des Troyes’ [Erec et
Enide; Cligés; Le chevalier au lion; Le chevalier de la charrete; Le
conte du Graal], - schließlich, als Ausblick in das 13. Jahrhundert,
wird jene die Artusrezeption beschließende Prosauflösung La mort le roi
Artu behandelt.
Artus erweist sich als vielschichtiges Phänomen, dem vom höfischen Roman
an paradigmatisch eine Transgression im Horizont eines in die Aporie
weisenden, schließlich eschatologischen Telos eingeschrieben sein wird.
Diese sich final entäußernde Bewegung der Artusfigur soll hier mit dem
Terminus ’DEGRESSION’ belegt werden.
Die politisch instrumentalisierte, eindimensionale Artusfigur der
chronikalischen Rezeption erfährt in Chrétiens Romanen eine sich radikal
verdichtende Perspektivierung. Artus als Chrétiens ursprünglichstes,
problematisch gewordenes Subjekt, erweist sich je brüchiger sein Bild
wird, immer unabweisbarer als der eigentliche Mittelpunkt der von ihm
konstituierten Welt. Die Degression der Artusfigur bedingt schließlich
im Horizont des Untergangs [La mort le roi Artu] jenen Mythos, der sich
dem neuzeitlichen Imaginären unauslöschlich eingeschrieben hat.
Artus und seine Welt: die Degression der Artusgestalt in der Literatur
des 12. Jahrhunderts
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